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Quickborner Tageblatt 15.11.2006 | von René Erdbrügger

Dezernentenposten als Dankeschön?

Vor einigen Wochen verkündigte er noch kleinlaut, einen Job zu suchen. Jetzt scheint er ihn in der Tasche zu haben: Weil Torsten Thormählen, Noch-Bürgermeister von Ellerau bis zum Jahr 2010, sich dafür eingesetzt hat, dass Norderstedt im Zuge der Verwaltungsstrukturreform die Aufgaben von Ellerau mit übernimmt und die Stadt dafür 125000 Euro als „Hochzeitsprämie“ vom Land einstreicht, scheint ihm jetzt ein Dezernentenposten als Dankeschön sicher zu sein. So lauten die Gerüchte.
Fakt ist: Thormählen soll Dritter Stadtrat von Norderstedt werden. Diese Stelle wird eigens für Ellerau eingerichtet.

Thormählen wäre weiterhin zuständig für seine Gemeinde, hätte aber zudem das Betriebsamt (Müllabfuhr) und die Bauunterhaltung unter sich. Doch es kommt noch besser: Norderstedts Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote (CDU) ließ intern durchblicken, dass er sich 2010 einer erneuten Wahl nicht mehr stellen möchte. Für Insider ist klar: Den Posten übernimmt Thormählen.

Angesichts dieser neuen Entwicklungen stehen die Verhandlungen zwischen Ellerau und Norderstedt während der vergangenen Wochen und Monate in einem ganz neuen Licht. Wurde intern „gemauschelt“ und während eines Verhandlungspokers die kleine Gemeinde Ellerau zu Gunsten eines neuen Jobs für Bürgermeister Thormählen „verschachert“?

Wie berichtet, zwingt das Land die Gemeinden unter 8000 Einwohner, – Ellerau hat an die 5500 Einwohner – Verwaltungseinheiten mit anderen Kommunen zu bilden. Zwar hatten sich die Ellerauer Politiker zunächst vehement dagegen gewehrt und um ihre Eigenständigkeit gekämpft, indem sie die Bürger des Ortes auf den Plan riefen und in Kiel bei Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU) intervenierten, doch im November hieß es im Gemeinderat: „Die Gespräche haben zu nichts geführt. Wir fusionieren mit Norderstedt.“ „Handeln, statt behandelt zu werden“, lautete das Motto.

Aber warum gerade Norderstedt? Es gibt nicht einmal eine Stadtgrenze zu Ellerau. Die Begründung: „Für Norderstedt spricht der größte wirtschaftliche Nutzen“, erklärte damals der parteilose Thormählen, der von der Ellerauer CDU unterstützt wird. Damit waren Kaltenkirchen, Henstedt-Ulzburg und Quickborn aus dem Rennen, die auch als Fusionspartner gehandelt wurden. Thormählen-Kritiker sagen, diese Orte hätten keine Chance gehabt, denn einen Dezernentenposten kann nur eine Stadt von der Größe Norderstedts Thormählen anbieten.

Thormählen selbst schweigt zu den Vorwürfen. Eine Stellungnahme gab es gestern aus Norderstedt von Kai Jörg Evers, Pressesprecher der Stadt: „Die Fusionsverhandlungen und die Einrichtung einer dritten Dezernentenstellen haben nichts miteinander zu tun. Es ist reiner Populismus, das zu behaupten. Den Posten bietet Norderstedt Herrn Thormählen an. Es hätte doch Charme, künftig einen Dezernenten zu haben, der sich auch um die Interessen von Ellerau kümmert. Die Kosten würden sich Norderstedt und Ellerau teilen.“

Hans Bihl von der Ellerauer FDP sieht das ganz anders: „Die Ellerauer Bürger müssen sich verschaukelt vorkommen. Ich empfinde den ganzen Vorfall als Skandal.“

Auch Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) ist konsterniert: „Wenn es stimmt, ist es unglaublich. Einen neuen Posten können wir Thormählen nicht anbieten. Selbstverständlich kann man etwas aushandeln. Doch sollte man es vor der Entscheidungsfindung offenkundig machen. Die Bürger hätten informiert werden müssen.“