Sind Kinderkrippen ein Ersatz für eine mütterfreundliche Familienpolitik?

Der Wertewandel ist es, der in unserer Gesellschaft dazu geführt hat, dass die meisten Frauen arbeiten müssen. Der Arbeitsmarkt braucht sie dringend, weil bald die Arbeitskräfte knapp werden. Zudem sollen sie sich um unsere Altersvorsorge kümmern und möglichst mehr als durchschnittlich 1,36 Kinder zur Welt bringen.

Frauen können es derzeit offenbar nur falsch machen: Entscheiden Sie sich gegen ein Kind und für den Job, gelten sie oft als egoistisch. Können oder wollen sie als „Nur-Hausfrau“ wegen der Kinder nicht mehr arbeiten, haftet ihnen das Image der langweiligen Hausfrau an. Versuchen sie, Kind und Job miteinander zu vereinbaren, trifft sie der Vorwurf der Rabenmutter.

Kinder bedeuten Opfer – vor allem finanzielle. Es gibt keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen einem hohen Krippenangebot und einer hohen Geburtenrate. Angesichts des so starken Interesses an besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist zu fragen, ob nicht auch Kinder legitime Ansprüche an ihre Eltern stellen dürfen?

Eine Kinderkrippe sei für die kindliche Entwicklung ein Vorteil, heißt es immer wieder. Doch dies widerspricht völlig den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Wird vor allem ein unter drei Jahre altes Kind in der Kinderkrippe betreut, so fehlt ihm die emotionale Konstanz zur Hauptbindungsperson, die für die Entwicklung des Urvertrauens notwendig ist.

Wer eine mütterfreundliche Familienpolitik will, muss sehr viel differenzierter über Förderungsmaßnahmen nachdenken als bisher. Es muss nicht nur für flexiblere Betreuungsangebote gesorgt werden, sondern auch von der Arbeitgeberseite müssen Modelle entwickelt werden, um den Frauen den Wiedereinstieg in den Beruf ermöglichen.

Autor: Peter Groth