Verwaltungsfusion – kritische Meinungen dazu

Die Gemeinde Ellerau hat sich für eine Verwaltungsfusion mit der Stadt Norderstedt entschieden. Hier zwei als Leserbrief im Quickborner Tageblatt veröffentlichte kritische Meinungen dazu. Die Autoren haben einer Veröffentlichung im Internet zugestimmt.

„Irreführung der Bevölkerung“

Betreff: „Fusion nicht an Quickborn gescheitert“
Nachdem der Pulverdampf des Ellerauer „Freiheitskampfes“ abgezogen und der Alltag zurückgekehrt ist, kann wohl eine vorläufige Zwischenbilanz gezogen werden. Von Anbeginn hatte Ellerau keine Chance, die eigene Hauptverwaltung zu erhalten. Daran ändern auch martialische Sprüche wie „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren!“ absolut gar nichts. Ein Landesgesetz wird nicht wegen aufmüpfiger Ellerauer Dorfpolitiker ausgehöhlt. Die Einwohner dennoch zur Abstimmung an die Urne zu rufen, war unter diesen Vorzeichen – vorsichtig formuliert – eine Irreführung der gutgläubigen Bevölkerung. Dann die Entscheidung pro Norderstedt. Angeblich wegen der besten Bedingungen für Ellerau.

Kurz darauf: Vorstand und Fraktion der CDU verlassen die Partei – nachdem sie (die Fraktion) zuvor einstimmig für den Anschluss an Norderstedt gestimmt hatten! „Aktives Ellerau“ soll’s jetzt richten, und das sind die gleichen Personen, die das „Gesamtkunstwerk eigenständiges Ellerau“ inszeniert hatten. Schilda lässt grüßen! Und dann die eigentliche Sensation: Elleraus Bürgermeister wird eine – wie man hört – hoch dotierte – Dezernentenstelle in Norderstedt in Aussicht gestellt – immerhin vom Oberbürgermeister der Stadt. Nun wird zwar niemand Herrn Thormählen ernsthaft unterstellen, er hätte Ellerau „verschachert“, aber bei der praktizierten Geheimniskrämerei bekommt der Vorgang schon ein gewisses „Geschmäckle“.

Die Chance, bei der Einwohnerversammlung am 18. Oktober den Gerüchten klar und eindeutig entgegenzutreten, blieb ungenutzt. Stattdessen wurden der Quickborner Bürgermeister und der hiesige FDP-Vorsitzende über die Presse massiv angegriffen. Ob Thormählen sich und Ellerau damit einen Gefallen getan hat, darf getrost bezweifelt werden. Die Offenlegung aller Protokolle über die Verhandlungen mit den Nachbarkommunen hätte Gerüchte vermieden und die Entscheidung für die Ellerauer Bürger transparenter gemacht. PS: Wetten, dass die CDU-Abtrünnigen rechtzeitig vor der nächsten Kommunalwahl mit großer öffentlicher Begleitmusik reumütig in den Schoß ihrer Partei zurückkehren?

Autor: Peter Schmidt, Dorfstraße 17, 25479 Ellerau


„Arroganz auf beiden Seiten“

Betreff: Gescheiterte Fusion zwischen Quickborn und Ellerau.
Im Nachgang kann man zu den Veröffentlichungen in den lokalen Zeitungen nur eines feststellen: Welche unendliche Chance für die Bevölkerung und die Steuerzahler wurde wieder einmal vertan. Die beiden Gemeinwesen liegen von der Gronau-Brücke bis Bahnhof Ulzburg-Süd etwas fünf Kilometer Wange an Wange. Wohnhäuser und Gewerbe liegen sich über weite Strecken per Straße und/oder Schiene gegenüber. Beim Bau des Ellerauer Rathauses musste ein Einverständnis der Stadt Quickborn wegen etwa 1,5 Meter Überschreitung der Baulinie eingeholt werden. So absolut nah sind die beiden Kommunen beieinander.

Die Ellerauer Oberschüler besuchen das Gymnasium in Quickborn, das Ärztezentrum liegt mittig zwischen den beiden Orten, gemeinsame öffentliche Versorgungseinrichtungen bestehen bereits. Viele Verkehrsprobleme (Ellerauer Straße, Bahnstraße, Anschluss A7, Umgehungsstraße) lassen sich zukünftig nur gemeinsam lösen.

Unendlich viele Synergieeffekte in puncto Betriebsmittel (Feuerwehrgerätschaften, Bauhofmaschinerie etc.) hätten sich zu Gunsten des Steuerzahlers und der verfügbaren Finanzmittel der beiden Gemeinden erzielen lassen.

Warum fusionieren um uns herum Sparkassen, Verkehrsbetriebe, Firmen? Alle, um die beschriebenen Kostenersparnisse zu erzielen. Aber Verwaltung und Politik waren nicht im Stande, über den Tellerrand der reinen Verwaltungsfusion hinauszusehen. Trotzig und arrogant wurde auf beiden Seiten miteinander umgegangen, und alle möglichen Vorteile von Einsparungen und Erleichterungen für die Bevölkerung sind auf dem Altar der persönlichen Animositäten von zwei Bürgermeistern und den führenden Parteien geopfert worden. Rückwärtsgewandter und verfehlter kann Politik gegenüber der Bevölkerung gar nicht betrieben werden.

Autor: Hans Raubold, Torfstraße 1, 25451 Quickborn